Breitscheid

Roden verboten!

Wie auch andere Gehöfte in der Gegend gehörte die Honnschaft Breitscheid (breytscheyde) dem Stift Gerresheim. Der Begriff “Honnschaft” war vor allem im Rheinland gebräuchlich und bezeichnete die unterste Verwaltungseinheit auf dem Land. Die zu entrichtenden Abgaben hatten die Breitscheider an den Gerresheimer Hof in Mintard zu zahlen.

Viele Hofbesitzer in Breitscheid lebten in einem Stadthaus in Ratingen oder unterhielten zumindest ein solches. 1460 beispielsweise wohnten Wilhelm van Breitschit und seine Familie in Ratingen.

Die Reichsabtei Werden hatte in der Honnschaft einigen Grundbesitz mit dazu gehörigen Höfen. Außerdem befanden sich hier zwei große Rittersitze, nämlich die im 13. Jahrhundert gebaute Burg bzw. später dann das Schloß Landsberg, sowie Schloß Linnep.

Im Gegensatz zu anderen Gegenden, wo im Laufe der Jahrhunderte durch Rodung Platz für immer neue Höfe oder kleine Siedlungen geschaffen wurde, wurde die Besiedlung der Honnschaft Breitscheid im 15. Jahrhundert durch die Herzöge von Jülich-Berg stark eingeschränkt. Denn um die Jagdinteressen der Herzöge zu schützen, war das Abroden der Wälder hier zum größten Teil verboten. So fand bis in die Neuzeit wenig wirtschaftliche Entwicklung statt.

Knotenpunkt Krummenweg

1825 aber änderte sich das. Zum einen wurde in diesem Jahr wurde am günstigen Verkehrsknotenpunkt Krummenweg eine Brauerei gegründet. Zum anderen entwickelte sich die ebenfalls dort gelegene Gaststätte “Doerenkamp” schnell zu einem bekannten Ausflugslokal. Hier konnten bis zu 1000 Gäste gleichzeitig bedient werden. Sogar einen Spielplatz gab es. 1917 allerdings wurde der komplette Betrieb durch einen Brand vernichtet.

Doch die Familie eröffnete eine neue Gastwirtschaft an exponierter Stelle, nämlich an der Wegkreuzung Essen/Mülheim. Das Gelände der inzwischen pleitegegangenen Brauerei wurde 1921 einfach dazugekauft. Es entstanden große Gasträume, wie der rote Saal und der Kuppelsaal. Ein großes bewirtschaftetes Außengelände und sogar ein Schwimmbad luden zur unterhaltsamen Freizeitgestaltung ein. Zusätzlichen Aufschwung erfuhr die Gastronomie “Am Krummenweg” 1936/37 durch die Fertigstellung der Reichsautobahn.

Auch andere Betriebe profitierten davon; eine der ersten deutschen Tankstellen, die 1928 ganz in der Nähe eröffnet worden war, erlebte in den darauffolgenden Jahren einen wachsenden Zuspruch.

Nach dem zweiten Weltkrieg begann das Wirtschaftswunder – und die Gaststätte am Krummenweg fand sich mittendrin! 1955 wurde auf dem ehemaligen Gelände der Brauerei zusätzlich ein Hotel gebaut, in dem sich die deutsche Prominenz ein Stelldichein gab. Gustav Knuth, Nadja Tiller oder auch Grit Böttcher fühlten sich dort wohl.

Nach vielen Aufs und Abs steht heute wieder ein Hotel am Krummenweg und erfreut sich großer Beliebtheit.

Suche nach dem Mittelpunkt

Auch Breitscheid stand nach 1945 vor dem Problem viele geflüchtete oder ausgebombte Menschen unterbringen zu müssen. Es entstanden Neubaugebiete wie  “An der Horst”, “Am Bruch” und die “Flurstraße”.

In den 50er Jahren wurde ein Leitplan zur Siedlungsentwicklung entworfen, dessen  Ziel es war, einen Siedlungsmittelpunkt für Breitscheid entstehen zu lassen. Eine wirkliche Umsetzung scheiterte aus verschiedenen Gründen. Unter anderem wurde den Wünschen des Grafen Spee Rechnung getragen, bestimmte Gebiete nicht zu bebauen. Mittlerweile wird der Ortsmittelpunkt rund um das evangelische Gemeindezentrum und der später erbauten katholischen Kirche gesehen.

1975 wurde die Gemeinde Breitscheid aufgelöst. 2,3 Quadratkilometer, auf denen damals 50 Anwohner lebten, wurden Mühlheim an der Ruhr zugeschrieben. Doch 99% der Einwohner waren ab da ganz offiziell Einwohner der Stadt Ratingen.

Breitscheid ist über die Stadtgrenzen hinaus bestens bekannt durch die täglichen Staus am gleichnamigen Autobahnkreuz. Aber man sollte nicht vergessen, dass zu diesem schönen Stadteile auch wunderbare Ausflugsziele, wie Schloss Linnep oder die evangelische Waldkirche gehören!